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Biobauern mit Kind und Kalb am Bauernhof
Foto: BMLFUW/AMA-Bioarch...

Österreichs Landwirtschaft - Tradition und Innovation

Österreichs Land- und Forstwirtschaft ist seit der Rodung der ehemaligen "Urwälder" und aufgrund der jahrhundertealten Bewirtschaftung das Rückgrat des ländlichen Raumes. Die bäuerlichen Familien sind wichtige Träger der Kultur Österreichs. Wie orientieren sie sich in der Gegenwart und der Zukunft?

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat die österreichische Land- und Forstwirtschaft einen umfassenden Agrarstrukturwandel erfahren. Die Bäuerinnen und Bauern profitieren vom gewaltigen technologischen Entwicklungssprung und haben eine Neuorientierung in ihren Aufgaben erhalten. 
 
Agrarstrukturwandel im 20. Jahrhundert
Im Jahr 1960 entfielen auf den Agrarbereich noch fast ein Drittel der Erwerbstätigen. Im Jahr 2006 waren nur mehr 5,1 Prozent der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, die 80 Prozent der Staatsfläche Österreichs bewirtschaften. 
 
Von den insgesamt 189.600 Land- und Forstwirtschaftlichen Betrieben sind nur noch 39,3 Prozent Haupterwerbsbetriebe, 56,4 Prozent sind Nebenerwerbsbetriebe und 4,4 Prozent werden von juristischen Personen geleitet.
 
Nur 35 Hektar Kulturfläche (land- und forstwirtschaftlich genutzte Fläche), davon 19 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche hat im Schnitt ein österreichischer Bauernhof. Die Landwirtschaft setzt auf Multifunktionalität und auf eine flächendeckende Bewirtschaftung und erbringt dabei vielfältige Leistungen. 
 
Vom Generalisten zum Spezialisten könnte der Leitsatz lauten. Oder von der Basisproduktion zum veredelten Produkt. So gibt es heute Biobauern, die für ganze Produktlinien von Supermarktketten produzieren. Es gibt Betriebe, die sich mit Ab-Hof-Verkauf ein zusätzliches Einkommen sichern. Betriebe, die Urlaub am Bauernhof anbieten und nicht nur für Erholung stehen, sondern auch Stadtkindern die bäuerliche Welt erklären.
 
Österreichs Alm- und Bergbauern produzieren nicht nur gesunde Lebensmittel, sondern pflegen mit Hilfe ihrer schweren „Handarbeit“ auch unsere Almen und Berglandschaften. So bleibt der alpine Siedlungsraum und die „Natursportarena“ attraktiv und ist Anziehungspunkt für Einheimische sowie Urlauberinnen und Urlauber.
 
Innovative Hofbewirtschaftungsformen
Jeder Bauernhof, vorwiegend bewirtschaftet durch bäuerliche Familien, ist auch ein eigener Betrieb, eine „Firma“. Die Anbindung an das Internet hat geholfen den Informationsrückstand im ländlichen Raum zu verkürzen. So ist es möglich Betriebsdaten zu übermitteln, den Schriftverkehr online durchzuführen, bei Online-Versteigerungen mitzubieten, einzukaufen oder auch eine geeignete Lebenspartnerin oder -partner für das schwierige Leben am Lande zu finden. 
 
Österreichs Bäuerinnen und Bauern profitieren von der Grundlagenforschung und der Entwicklung der Technologien. Sei es das Wissen um den Pflanzen-, Garten- oder Weinbau, der Viehwirtschaft oder der ökologischen Bewirtschaftung. Sie profitieren von der Technologie zur Herstellung von Biotreibstoffen. Sie nutzen wie alle den technologischen Fortschritt durch Elektronik und Datenverarbeitung, sei es beim Maschinenbau oder der EDV. 
 
Das Leitbild der Bewirtschaftung ist die Nachhaltigkeit. Wie nachhaltig bewirtschaftet wird, muss gelehrt und gelernt werden. Bildung und Fortbildung sind wie in jeder anderen Berufssparte grundlegend wichtig für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebsführerinnen und Betriebsführer.
 
Die land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen, die Universität für Bodenkultur, die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien und die zahlreichen Fortbildungsangebote wie auch die Beratung durch die Landwirtschaftskammern sorgen für das Fachwissen der Bäuerinnen und Bauern.
 
Leistungen für die Gemeinschaft
Die Landwirtschaft ist wichtiger Träger der Ökologisierung Österreichs. Sie setzt auf das Prinzip der Nachhaltigkeit und auf die Multifunktionalität. So erbringt Österreichs Landwirtschaft umfassende Leistungen im Interesse der Gemeinschaft.
 
Sie sorgt für hohe Selbstversorgungsgrade der Lebensmittel, versorgt mit Biolebensmitteln und qualitativ hochwertigen gentechnikfreien Nahrungsmitteln.
 
Die Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur schützt ökologisch reiche Lebensräume und pflegt die jahrhundertealte Kulturlandschaft. 
 
Österreichs Landwirtschaft ist auch unverzichtbarer Teil der Gesamtwirtschaft Österreichs. Gerade die überschaubare Struktur bietet eine Reihe von Chancen: So nimmt Österreich im Konzert der EU-Staaten eine immer stärker beachtete Vorreiterrolle im Umgang mit natürlichen Ressourcen ein.
 
Von diesem unverwechselbaren Image zeugen nicht zuletzt hohe Umweltstandards in der Produktion, der hohe Anteil biologisch wirtschaftender Bauern, zeitgemäße Tiertransportregelungen oder die von bäuerlicher Hand gepflegten Landschaften Österreichs.
 
Die österreichischen und EU-Agrarförderungen gelten den arbeitsintensiven Einsatz der österreichischen Bäuerinnen und Bauern ab. Sie sorgen für einen Erhalt der bäuerlichen Familien und der gepflegten bäuerlichen Bewirtschaftung. Einer Landflucht aus extensiv genutzten benachteiligten Gebiete und Berggebieten kann so Einhalt geboten werden.
 
Nachhaltige Agrarpolitik
Mit dem Leitbild der ökosozialen Agrarpolitik wurden zukunftsorientierte Weichen für die Erhaltung einer wirtschaftlich gesunden und leistungsfähigen bäuerlichen Land- und Forstwirtschaft in einem funktionsfähigen ländlichen Raum gestellt.

22.02.2008, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit