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Spezialitäten vom Grauen Steppenrind aus der Nationalparkherde

Naturschutz und Bio-Rindfleisch in Spitzenqualität bei Beweidungsprojekt im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

 
(Illmitz, 23.6.2005) Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel und Wirte aus der Region präsentierten am 23. Juni Spezialitäten vom Grauen Steppenrind aus der Nationalparkherde. Die etwa 300 Stück dieser alten pannonischen Haustierrasse sind ein wichtiges Instrument des Flächenmanagements im Nationalpark und liefern gleichzeitig hochwertiges Fleisch in Bio-Qualität.

 
Der Wandel der Landschaft
Herden – Schaf-, Schweine-, Pferde-, und vor allem aber Rinderherden – waren im Seewinkel jahrhundertelang nicht nur ein Wirtschaftszweig, sie prägten auch die Landschaft, die für die Tier- und Pflanzenarten optimal waren. Die Tiere ließen nur wenige Sträucher oder Bäume aufkommen und gestalteten so einen Lebensraum, der zu den artenreichsten Europas zählt.
 
Die Puszta, wie unsere ungarischen Nachbarn diese Landschaft nennen, war im 20. Jahrhundert durch die Mechanisierung der Landwirtschaft dem Untergang geweiht. Auf höhergelegenen, trockenen Hutweideflächen wurden Acker- und Weinbauflächen angelegt. Die tieferen, feuchten Bereiche blieben meist einfach ungenutzt. Die Artenzusammensetzung der Pflanzen verlor rasch an Vielfalt. Bedrohte Vogelarten, die offene Landschaft als Lebensraum brauchen, mußten auf andere Gebiete ausweichen oder verschwanden ganz aus dem Seewinkel. Die vorher schilffreien Flächen begannen zuzuwachsen, weil kein Jungschilf mehr abgeweidet, keine Schilfrhizome durch den Viehtritt zerstört wurden. Die letzten Teile der Hutweide zu erhalten und wenn möglich sie zu vergrößern, das ist Naturschutzauftrag des Nationalparks.
 
Flächenmanagement durch Beweidung
Seit Gründung des grenzüberschreitenden Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel 1993 ist die Wiedereinführung der Beweidung eines der wichtigsten Instrumente des Flächenmanagements. In der Bewahrungszone Sandeck-Neudegg, die direkt an die Naturzone des Nationalparks anschließt, hatte sich durch die Nichtnutzung landseitig der Schilfgürtel ausgebreitet. In diesem Gebiet südlich von Apetlon und Illmitz weidet seit 1995 das Graue Steppenrind wieder. Ausgehend vom legenderen „Peda“ dem Stammvater aller unserer Steppenrinder hält heute eine Herde von etwa 300 Stück, nach den Vorgaben der biologischen Landwirtschaft, das landseitige Schilfwachstum hintan. Das Seevorgelände konnte von einem verschilften, mit Ölweiden bewachsenen Ödland wieder in eine Pusztalandschaft umgewandelt werden. Rechnet man noch die Landschaftspflege durch die Gewinnung des benötigten Winterheues dazu, stellt dieses Modell einen wichtigen Bestandteil in der gesamten Landschaftserhaltung im Nationalpark dar.
Neben dem bereits erwähnten Aspekt – Pflegemaßnahmen – demonstriert dieses Projekt wie kein zweites die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der ungarischen Nationalparkverwaltung. Die Herde auf österreichischer Seite weidet im seenahen Gebiet Richtung Süden, jene im ungarischen Teil Richtung Norden.
 
Das Graue Steppenrind: Eine alte, pannnonische Haustierrasse
Diese alte, im Bestand nicht ungefährdete Haustierrasse hat im heutigen Burgenland eine lange Tradition, vor allem als Arbeitstier auf den Gutshöfen. In der Mexiko-Puszta (heute Fertöújlak, direkt auf der anderen Seite der Staatsgrenze) stand eine große Zuchtherde der Domäne Eszterházy, von der aus auch andere Höfe mit Zugochsen versorgt wurden. Es sind schöne bizarre Gestalten mit ihren langen, spitzen, vielgestaltigen Hörnern. Rinder, die an die Hitze des pannonischen Sommers, geländemäßige Gegebenheiten, an Futter- und Bodenverhältnisse kurz an die Region hervorragend angepaßt sind. Fast noch halbwilde Tiere mit intakten Mutterinstinkt – und trotzdem Haustiere.
Alte Haustierrassen stellen ein vielfältiges Genreservoir dar. Sie sind kulturelles Erbe, das es genauso zu erhalten gilt wie Schlösser, Kirchen, Theater und ähnliches mehr. Der Landschaftserhaltungsauftrag im Nationalpark läßt hier eine optimale Kombination bei der Erfüllung beider Aufgaben zu.
 
Die Vermarktung des Grauen Steppenrindes
Wo eine dreihunderköpfige Herde steht, stellt sich auch entsprechender Nachwuchs ein. Der Nationalpark bekennt sich klar zur artgerechten Haltung von Haustieren wozu auch deren Nutzung für den Fleischtopf gehört. Als wichtiger Aspekt des Graurinderprojekts muß demnach auch die Fleischvermarktung betrachtet werden. Die Positionierung ist klar: Fleisch vom Grauen Steppenrind als spezielles hochwertiges Produkt der Nationalparkregion. Zielgruppen sind sowohl private Konsumenten – ob Einheimische, Ausflugsgäste oder Urlauber – aber vor allem auch die regionale Gastronomie. Einige von ihnen haben bereits Erfahrung in der gastronomischen Aufbereitung dieses seltenen Fleischangebots gesammelt und sind vor allem glücklich über die Qualität, aber auch über die Akzeptanz des etwas höheren Preises durch die Gäste.
 
Bei einem nur mit Heu und biologisch angebauten Getreide gefütterten Rind kommt nur streßfreie Schlachtung ohne lange Transportwege in Frage. Fast von Beginn des Projektes an ist die Fleischerei Karlo aus Pamhagen in diesem Bereich unser verläßlicher Partner. Martin Karlo, Fleischermeister aus Leidenschaft und Nationalparkmitarbeiter Anton Bleich, seines Zeichens auch gelernter Fleischhauer, sind seither die Ansprechpartner in der Fleischvermarktung. Ihnen ist es auch zu verdanken, daß einige ausgesuchte Gaststätten in der Region gemeinsam nun das Fleisch des Grauen Steppenrindes vermarkten. Die Erfahrung zeigte, daß nur klare Strukturen und Spielregeln eine erfolgreiche Vermarktung möglich machen.
 
Die Partnerbetriebe in der Nationalparkregion:
Fleischerei Karlo (Pamhagen), Restaurant Schütz (Weiden), Gasthaus Zur Dankbarkeit (Podersdorf), Gasthof Zentral (Illmitz), Bartholomäusstüberl (Illmitz), Buschenschank Gowerl-Haus (Illmitz), Gasthof Tauber (Illmitz, Wallern), Gasthaus Zum Fröhlichen Arbeiter (Apetlon), Nationalparkstüberl (Apetlon), Vila Vita Feriendorf Pannonia (Pamhagen). 
 
Fotos (Quelle: NP Neusiedler See - Seewinkel):    
 
NP Neusiedler See - Seewinkel
 
Graue Steppenrinder im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel 
 
NP Neusiedler See - Seewinkel
 
 Aufkleber für Partnerbetriebe 2005

 
NP Neusiedler See - Seewinkel
 
 Vorstandsvorsitzender des Nationalparks  Neusiedler See - Seewinkel Paul Rittsteuer, Vorstand LAbg. Bgm. Loos  und die Vertreter der Partnerbetriebe  

 
Rückfragehinweis:
Michael Kroiss
Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel
Informationszentrum
Tel.: 02175/3442-0 Fax: DW -4
e-mail: info@nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.atwww.nationalpark-neusiedlersee.org

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05.07.2005,